Sie sind hier: Startseite » NEWS » Archiv 2016 (2. Halbjahr) » Ehrenmitglied des DRFV Paul Stecken verstorben

Ehrenmitglied des DRFV Paul Stecken verstorben

Zum Tod von Paul Stecken

Er war verlässlich, diszipliniert, verfügte über einen unglaublichen Fundus an Wissen und Erfahrung – die Bundesvereinigung der Berufsreiter trauert um Major a.d. Paul Stecken, der am 15. September im Alter von 100 Jahren verstarb.

Paul Stecken wurde am 29. Juni 1916 in Münster geboren und wuchs mit Pferden auf, denn auch sein Vater Heinrich hatte das Reiten zu seinem Beruf gemacht (er war 25 Jahre lang Leiter der Westfälischen Reit- und Fahrschule). Mit 18 Jahren trat Paul Stecken dem Reiterregiment 15 bei, verfeinerte sein Reiten unter der Anleitung von Reiterlegenden wie Edwin Graf Rothkirch oder Hermann Freiher von Nagel und erarbeitete sich schnell den Ruf, der beste Dressurreiter seines Regiments zu sein. Darum wurde Stecken zügig an die Kavallerie nach Berlin-Krampnitz berufen, die einstige „Elite-Einheit“ der Kavallerie. Durch eine kriegsbedingte Verwundung musste Stecken seine eigene reiterliche Karriere allerdings ab Mitte der 1940er-Jahre einschränken.
Der Pferdemann widmete sich fortan mit all seiner Energie der Ausbildung und Lehre und prägte in den vergangenen gut 70 Jahren die Einstellung und die Geschicke diverser Reitergenerationen. Paul Stecken übernahm 1950 die Leitung der westfälischen Reit- und Fahrschule, widmete sich einerseits der Vermittlung von Reitlehre an Amateure, andererseits engagierte er sich außerordentlich für den Berufsstand. 108 Auszubildende hat Stecken im Laufe der Jahre gehabt, knapp 2000 Reitlehrer geprüft – es gibt wohl keinen Berufsreiter, der Paul Stecken nicht kennt. Seine Schüler haben ihre Karrieren in allen drei großen Sparten der Reiterei gemacht. Neben seinen „Musterschülern“ Dr. Reiner Klimke und dessen Tochter, Reitmeisterin Ingrid Klimke, hat Stecken Reitergrößen wie Reitmeister Udo Lange, Ton de Ridder, Vielseitigkeits-Bundestrainer der Jungen Reiter, Rüdiger Schwarz und viele weitere geformt. Auch der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Berufsreiter, Burkhard Jung, war einer der Stecken-Lehrlinge. „Bis heute wissen wir ehemaligen Lehrlinge, welches Glück wir hatten, bei diesem Ausbilder lernen zu dürfen. Paul Stecken ist uns allen quasi täglich im Geiste präsent, wenn wir reiten, unterrichten und mit Pferden zusammen sind.“
Paul Stecken engagierte sich stark für den Berufsstand und gehörte zu denjenigen, die die heutige Bundesvereinigung der Berufsreiter (BBR) aus der Taufe hoben. Er trug maßgeblich dazu bei, dass die Berufsausbildung der Reitlehrer in den 1970er-Jahren staatlich anerkannt wurde, auch an der Ausbildungs- und Prüfungsordnung hat Paul Stecken engagiert mitgewirkt. „Kraft macht keinen Lärm, sie ist da und wirkt“ – ursprünglich stammt dieses Zitat von Albert Schweitzer, aber es umschreibt in wenigen Worten die Wirkung Steckens auf die Reiterei. Auch im Ruhestand war Stecken in zahlreichen Gremien und Ausschüssen vertreten, war tätig als Turnierrichter in allen Klassen und Disziplinen, als Prüfer bei Berufsabschluss- und Meisterprüfungen, als Vorstandsmitglied im Deutschen Reiter- und Fahrer-Verband und als Ehrenmitglied in der Bundesvereinigung der Berufsreiter. Diverse Auszeichnungen, u.a. das Deutsche Reiterkreuz in Gold zeugen vom großen Einfluss dieses Hippologen. „Wer ihn jeden Tag erlebt hat, gibt seine Werte auch weiter“, beschreibt Burkhard Jung seinen einstigen Ausbilder.
Im Namen aller Berufsreiter spricht die Bundesvereinigung den Hinterbliebenen ihr Beileid aus.