Pressebericht

11.-12.03.2018

Foto: Maximilian Schreiner

Das Alte bewahren, das Neue wagen

Ein geballtes Programm mit vielen Experten erwartete in diesem Jahr die rund 300 Gäste des Bundesberufsreitertages. Es wurde getagt, beschlossen und diskutiert – und zwischendurch gab es sogar „standing ovations“. Ein Berufsreitertag, der so bunt war wie das richtige Leben.

Schauplatz des diesjährigen Bundesberufsreitertages war das Pferdezentrum Franken in dem beschaulichen Städtchen Ansbach in Bayern. Nicht gerade um die Ecke für viele Berufsausbilder, dennoch hatte sich die stattliche Anzahl von rund 300 Mitgliedern auf den Weg gemacht, um die zweitägige Fortbildung nicht zu verpassen. Besonders spannend versprach der erste Teil der Fachtagung zu werden, da zeitgleich auch die Deutsche Richtervereinigung in Ansbach tagte und die Fachtagung gemeinsam mit den Berufsreitern gestaltete. Mit viel Liebe zum Detail hatte Schulleiter Klaus Eikermann diverse Helfer, Reiter und Pferde aktiviert, mit viel Energie hatte BBR-Geschäftsführerin Carolin Lux gemeinsam mit ihrem Team hochkarätige Referenten aus der gesamten Republik zusammengerufen. So konnten Teams aus Reitern (z.B. Grand Prix-Ausbilder Martin Stamkötter, Philipp Hess), Ausbildern (z.B. Dolf-Dietram Keller, Ulrike Lautemann) und Richtern (z.B. Anke Frömming, Martin Richenhagen) gebildet werden, die verschiedene Dressur- und Springvorführungen der Klassen L bis S kommentierten und mit Noten bewerteten. Dank der fachkundigen Moderation von Joachim Geilfus, Geschäftsführer der Richtervereinigung, der auch immer wieder das Publikum einbezog und befragte, verging der Nachmittag des ersten Tages wie im Flug. Im Springen ging es um Themen wie Tempo, Rhythmus, Rittigkeit und natürlich Sitz und Einwirkung der jeweiligen Reiter, in der Dressur um Kriterien wie die Qualität der Grundgangarten, den Ausbildungsstand des Pferdes und des Reiters, die Qualität der ausgeführten Lektionen und vieles mehr. Nicht selten lagen die Noten der drei Teams etwas auseinander, aber jedes Team hatte gute und fundierte Gründe für seine Benotung und der Austausch wurde von Mitwirkenden und Gästen als sehr anregend und konstruktiv empfunden.
Vor großer Kulisse fand dann die Ehrung des Ausbildungsbetriebs des Jahres statt. In diesem Jahr siegte das Reiterzentrum Worch in Hattingen, eine Betriebsvorstellung erfolgt im St.GEORG Ausgabe 4/2018.
Am Abend des ersten Tages folgte die Mitgliederversammlung sowie weitere spannende Vorträge. Der BBR-Vorstand wurde um ein Mitglied erweitert, hier wurde Markus Scharmann, Wissenschafts-Koordinator in der Abteilung Ausbildungund Wissenschaft der Deutschen Reiterlichen Vereinigung gewählt. Zur Wiederwahl stellte sich außerdem Vorstandsmitglied Ulrike Lautemann, sie wurde wiedergewählt.
Es wurde eine Änderung der Verfahrensordnung vorgenommen mit dem Ziel, künftig nach Möglichkeit auch Pferdewirtschaftsmeister der weiteren Fachrichtungen neben der Klassischen Reitausbildung als Delegierte zu gewinnen, weil gerade in diesem Segment, hauptsächlich in den Fachrichtungen Pferdehaltung und Service sowie Zucht die Fortbildungsmaßnahmen verstärkt werden sollen. Darüber hinaus wird es im Jahr 2018 eine bundesweit ausgelegte Fortbildungsoffensive zur Thematik Unterrichtserteilung und Sitzverbesserung geben. Im Hinblick auf die Öffentlichkeitsarbeit hat die BBR das Ziel, zum einen ihre Aktivitäten in bezug auf Positivbeispiele von Ausbildungsbetrieben noch zu erweitern (den „Ausbildungsbetrieb des Jahres“, siehe oben, gibt es ja schon), darüber hinaus soll der Tierschutz und das Tierwohl stärker mit den Berufsreitern verknüpft werden. „Wir wollen uns bewegen, bevor wir bewegt werden“, forderte BBR-Geschäftsführerin Carolin Lux.
Emotionale Momente gab es, als die Witwe des kürzlich verstorbenen Reitmeisters Günther Festerling – Josefa Festerling – das Podium betrat. Im Namen ihres Mannes bedankte sie sich für den großen Zuspruch und die Anteilnahme an seiner Beerdigung, standing ovations aller Gäste sowie nicht enden wollender Applaus sprachen eine deutliche Sprache.
Zwei weitere Themen zogen die Gäste später noch in ihren Bann: Ein Vortrag zur „mentalen Stärke des Trainers“ der Bundestrainerin der Kunstturner, Ulla Koch, sowie ein Erfahrungsaustausch zur neuen Pferdewirtschaftsmeisterprüfung Fachrichtung Klassische Reitausbildung. Ulla Koch hatte zahlreiche konkrete und handfeste Tipps auf Lager, wie man sich selbst und (als Trainer) auch seine Schüler motivieren und verbessern kann, viele Gäste zückten zwischenzeitlich Zettel und Stift, um die Tipps nicht gleich wieder zu vergessen. Der Erfahrungsaustausch zur Meisterprüfung war besonders für die jüngere Generation spannend, die ihre Prüfung noch absolvieren wollen, aber auch für die jetzigen Pferdewirtschaftsmeister, die andere Kollegen im Hinblick auf deren Prüfung begleiten.
Nach einem geselligen Berufsreiter-Abend folgte an Tag zwei erneut ein Highlight auf das andere: Reitmeister Dolf-Dietram Keller beschäftigte sich mit Ausbildungshinweisen, seine Tochter Kathleen lieferte anschauliche Demonstrationen aller schweren Dressur-Lektionen. Reitmeister Karl-Heinz Streng demonstrierte gemeinsam mit dem erfolgreichen Springreiter Holger Hetzel, welche Kriterien für die Ausbildung eines Springpferdes von Bedeutung sind und warum die dressurmäßige Arbeit eine große Rolle spielt. Und schließlich zeigte Springnachwuchsbundestrainer Peter Teeuwen gemeinsam mit BBR-Vorstandsmitglied Markus Scharmann am Beispiel eines Reiter-Pferd-Paares auf, wie moderner, handlungsorientierter Reitunterricht funktioniert.
„Wir haben Altes mit Respekt bewahrt und uns neuen Aspekten intensiv gewidmet“, lobte BBR-Vorsitzender Burkhard Jung diesen Berufsreitertag. Wo sich die Berufsausbilder im kommenden Jahr versammeln werden, entscheidet sich in Kürze und wird im St.GEORG veröffentlicht.

Text: Kerstin Niemann