Dorothee Schneider

Dorothee Schneider im Interview und in der Praxis
Die Reitmeisterin und Mannschaftsolympiasiegerin Dorothee Schneider wird
im Rahmen des diesjährigen Bundesberufsreitertages in Haßloch
(Rheinland-Pfalz) aktiv am Erfolg der Veranstaltung mitwirken,
die in diesem Jahr unter dem Titel „Spitzensport und Spitzenzucht“ steht.
Die Vereinbarkeit von Spitzensport und -zucht ist sozusagen Tagesgeschäft der Ausbilderin: Sie führt das Gestüt St. Stephan, dem eine Besamungsstation angeschlossen ist, sie bildet angehende Pferdewirte in den Fachrichtungen Klassische Reitausbildung sowie Pferdehaltung und Service aus, brachte und bringt immer wieder neue Pferde in den Sport, führt viele Schüler zu Erfolgen und vieles mehr. In einem ausführlichen Interview wird Reitmeisterin Dorothee Schneider am Samstag, 21. März, zunächst ihr Ausbildungskonzept vorstellen. „Ein gutes Ausbildungskonzept enthält mehr als nur gutes Reiten“, lautet ihre These. Diverse Eckpunkte aus den Themenfeldern Fütterung, Bewegung, Gesundheit, Wohlbefinden und vieles mehr gehören dazu, wenn sich Erfolg und Tierwohl auf Augenhöhe befinden sollen. Wie Dorothee Schneider diese Ziele miteinander verknüpft, verrät sie im Interview. Darüber hinaus wird sie ihr Konzept der Championatsvorbereitung erläutern – je nachdem, ob es nach Aachen oder nach Tokio geht, muss man als Reiter dafür sorgen, dass das Pferd auf den Punkt motiviert ist, sich wohlfühlt in den Bedingungen, unter denen es untergebracht ist, so dass es seine Konzentration voll auf die Lektionen und die Aufgabe lenken kann. Was genau ist dafür nötig? Dasselbe gilt für den Reiter – wie gelingt es, Leistung genau dann abzurufen, wenn sie gefordert ist? Jeder bereitet sich individuell vor – und Dorothee Schneider wird aus ihren Erfahrungen berichten, welche mentale Vorbereitung ihr am besten hilft.
Am zweiten Tag des Bundesberufsreitertages steht die Praxis im Vordergrund – da wird die Reitmeisterin demonstrieren, wie sich die verschiedenen am Vortag angesprochenen Eckpunkte ihres Ausbildungskonzeptes auf die reiterliche Praxis auswirken. Freuen Sie sich auf interessante Anregungen und einen Einblick in das erfolgserprobte Konzept von Dorothee Schneider!

Zur Person: Dorothee Schneider
Die 51-jährige Reitmeisterin ist mit Pferden aufgewachsen, ihr Vater war Dressurreiter und Pferdezüchter. Bis Anfang der 1980er-Jahre war die Familie Pächter der Domäne Mechtildshausen. Nach dem Abitur hatte Dorothee Schneider zunächst den Plan, Tiermedizin zu studieren, doch durch den Wechsel des elterlichen Betriebes nach Framersheim
(Gestüt St.Stephan) entschied sie sich für eine Banklehre und unterstützte im elterlichen Betrieb. Im Anschluss daran machte Dorothee Schneider eine Lehre zur Pferdewirtin mit dem Schwerpunkt Haltung und Service, es folgte die Meisterprüfung – auch die Pferdewirt- und Meisterprüfung in klassischer Reitausbildung absolvierte sie, darüber hinaus ist Dorothee Schneider geprüfte Besamungswartin. Im Jahr 2000 übernahm sie den elterlichen Betrieb. 2019 wurde sie zur Reitmeisterin ernannt.
Dorothee Schneider brachte unzählige Top-Pferde in den Sport, 1994 erlangte sie bereits das Goldene Reitabzeichen. Anfang der 2010-er Jahre ging es international steil bergauf, erste Teilnahmen an Weltcup-Prüfungen.
Auszüge aus den wichtigsten sportlichen Stationen:
- 2012 und 2016 Teilnahme bei Olympischen Spielen (2012 Mannschaftssilber mit Diva Royal, 2016 Mannschaftsgold mit Showtime)
- 2016 zudem Einzelgold in der Kür bei den Deutschen Meisterschaften mit Showtime.
- 2018 Mannschaftsgold bei den Weltmeisterschaften mit Sammy Davis Jr.,
- 2019 Mannschaftsgold bei den Europameisterschaften, Einzelsilber in Grand Prix Special und Kür mit Showtime.

Dr. med. vet. Henrike Lagershausen

In der Diskussion – Leitlinien für den Tierschutz im Pferdesport
Die Leiterin der FN-Abteilung Veterinärmedizin, Dr. Henrike Lagershausen, wird in ihrem Vortrag die Überarbeitung der Leitlinien für den Tierschutz im Pferdesport in den Vordergrund rücken. Diese Leitlinien werden vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMLEL) herausgegeben und bestehen seit 1992. Bereits seit 2017 wird an der Neuauflage gearbeitet. Diverse Verbände und Gremien, darunter die FN, Rennsportverbände, der VFfD (Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland) sowie verschiedene Tierschutzverbände und -organisationen wirken daran mit. Geplant war eine Verabschiedung der überarbeiteten Leitlinien zum Ende 2019 – doch in einzelnen Punkten konnte bisher noch keine Einigung erzielt werden. Dr. Lagershausen wird die zentralen Themen anreißen und die unterschiedlichen Interessenslagen der verschiedenen Verbände darlegen und interpretieren, etwa über den Ausbildungsbeginn bei Pferden, Transport und Unterbringung von Pferden bei Wettkämpfen, Genehmigung von Ausrüstung und vieles mehr.
Jeder Pferdewirt sollte bei dem sensiblen Thema Pferdenutzung unter Tierschutzgesichtspunkten auf dem aktuell neuesten Stand der Diskussion sein und dieses Wissen weitertragen an seine Kundschaft!

Zur Person: Dr. Henrike Lagershausen
Dr. Henrike Lagershausen, Jahrgang 1985, entstammt einer Tierärzte- und Züchterfamilie aus der Wesermarsch. Als Jugendliche war sie in der Vielseitigkeit aktiv, ein Höhepunkt ihrer reiterlichen Karriere war der Oldenburger Landesmeistertitel in der Vielseitigkeit der Junioren 2001. Ihr veterinärmedizinisches Studium absolvierte sie an der Freien Universität Berlin, im Anschluss sammelte sie erste Erfahrungen in einer Praxis für Großtiere und später in einer Pferdeklinik in Bochum. Währenddessen absolvierte sie eine Weiterbildung zur Chiropraktorin für Pferde. Im Jahr 2015 kam sie als Nachwuchsführungskraft zur FN und übernahm im April 2016 die Leitung der FN-Abteilung Veterinärmedizin und Tierschutz. Nach Abschluss ihrer Promotion erlangte sie 2017 den Doktortitel.

Cord-F. Wassmann

Die historische Entwicklung der Pferdezucht – Selektion früher und heute
Der langjährige ehemalige Vorsitzende der Hannoveraner Körkommission, Cord-Friedrich Wassmann, wird in seinem Vortrag einen großen Bogen schlagen und die wesentlichen Momente beleuchten, die dazu geführt haben, dass sich das Warmblutpferd innerhalb der letzten Jahrzehnte vom Arbeits- und Militärpferd zum heutigen modernen Sportpferd entwickelt hat.
Wassmann wird einsteigen vor rund 70 Jahren, nach Ende des zweiten Weltkrieges. Zu jener Zeit spielte Gustav Rau eine zentrale Rolle, dessen Gedanken zum Einsatz des Vollbluts in der deutschen Warmblut- und Sportpferdezucht richtungsweisend waren. Schon rund zwei Jahrzehnte später, in den 1970er und 1980er Jahren, entwickelten sich die nächsten Wegweiser: Die Aufspaltung der Pferdezucht in Dressur- und Springpferdezucht mit unterschiedlichen Selektionskriterien, die Wassmann Revue passieren lassen wird.
Der Experte beschäftigt sich im weiteren Verlauf seines Vortrages mit den Kriterien von Hengstleistungsprüfungen in ihrer Entstehungszeit und heute, mit der Entwicklung der linearen Beschreibung und der genomischen Selektion. Aus der Sicht seiner jahrzehntelangen Erfahrung wird Cord-Friedrich Wassmann erläutern, welche Erfolge erzielt und welche Irrwege gegangen wurden.
Freuen Sie sich auf einen spannenden Vortrag, der die wesentlichen Eckpfeiler der deutschen Pferdezucht beleuchtet und hinterfragt.

Zur Person: Cord-Friedrich Wassmann
Das Herz des 76-jährigen Landwirts aus Niedersachsen schlug schon immer für Pferde und für die Zucht, weswegen er nach seiner Ausbildung in Osnabrück das Thema Tierzucht und Selektion studierte. Seit mehr als 45 Jahren beschäftigt sich Cord-Friedrich Wassmann in Theorie und Praxis mit Pferdezucht, Selektion und den dazugehörigen Leistungsprüfungen. 17 Jahre lang war er Vorsitzender der Hannoveraner Körkommission, diverse Mitgliedschaften verschiedener ausländischer Körkommissionen und seine jahrzehntelange internationale Richtertätigkeit sorgen dafür, dass seine Stimme bei vielen züchterischen Diskussionen und Entscheidung richtungsweisendes Gewicht hat.

Dr. med. vet Karsten Zech

Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten
in der praktischen Umsetzung
Dieses Thema beschäftigt die Pferdewelt mehr denn je: artgerechte Pferdehaltung. Sie ist unabdingbare Voraussetzung für die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Pferde, egal ob es Hochleistungs- oder Freizeitpferde sind. Wir wollen verlässliche Partner in Sport und Freizeit und besonders die Pferdewirte sind hier in der Pflicht und Verantwortung: Die entsprechenden Leitlinien zu kennen, sie mit Leben zu füllen und sie täglich im Betrieb um- und durchzusetzen. Doch welche Aufklärung dem Kunden gegenüber ist wichtig, welche notwendig, welche weniger relevant? Und wie lässt sich eine schlüssige Argumentation anhand praktischer Beispiele entwickeln?
Der Fachtierarzt Dr. Karsten Zech ist Experte auf diesem Gebiet: Integration und Umsetzung der Leitlinien in den täglichen Pferdehaltungs-Alltag. In seinem Vortrag wird er darlegen, wie sich die Pferdehaltung in den letzten Jahren gewandelt hat und aus welchem Grund. Nicht nur aus Sicht der Pferdehaltung, auch aus juristischer Sicht wird er aus seinem praktischen Alltag durch Fallbeispiele aufzeigen, warum diese Leitlinien eine Art „roten Faden“ liefern, den jeder Pferdewirt kennen und anwenden sollte.

Zur Person: Dr. Karsten Zech
Seit frühester Jugend ist Dr. Karsten Zech dem Reit- und Fahrsport verbunden als aktiver und erfolgreicher Reiter sowie Fahrer und Züchter. Der 57-Jährige studierte zunächst von 1985 bis 1990 an der Tierärztlichen Hochschule Hannover, 1993 folgte die Promotion in Göttingen und Hannover. Seit 1992 ist Dr. Karsten Zech tätig im Pferdegesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und engagiert sich für artgerechte Pferdehaltung in allen Facetten.