Dt. Championat der Berufsreiter - Vielseitigkeit

Foto: Löhr
Foto: Löhr

Pressemitteilung vom 09.08.2020

Festival des Dressurpferdes in Marbach vom 6. bis 9. August 2020

Den Pferden verpflichtet, dem Sport verbunden

Marbach, 08.08.2020 (Förderverein Marbach, Löhr). Irgendwie kann Roxana Mohr noch gar nicht richtig glauben, dass sie nun die Süddeutsche Championesse der Dressurreiter ist. Mit einem Pferd, dass sie erst seit November unter dem Sattel hat und gegen routinierte Profis, die ebenfalls ein Auge auf den Championats Titel geworfen haben. Doch erstmal von vorne.

2008 hat Roxana ihr Abitur absolviert und wollte zunächst einmal nur eins: reiten. Sie entschied sich gegen ein Studium und begann eine Ausbildung zum Pferdewirt im Landgestüt Dillenburg. Nach einer weiteren Station bei Willi Feltes, beendete sie ihre Lehre bei Bruno Eidam und wurde dafür sogar mit der Stensbeck Plakette in Bronze ausgezeichnet. Ihr Fleiß wurde belohnt, denn das erste Jobangebot ließ nicht lange auf sich warten. Keine geringere als Uta Gräf klopfte an die Tür der sympathischen Pfälzerin. Knapp zwei Jahre arbeitete sie auf Gut Rothenkircherhof, bis sie sich bei einem Reitunfall eine schwere Knieverletzung zuzog. Da schien der Traum von der Karriere im Sattel erstmal vorbei. Also doch Plan B, das Biologie-Studium. Ab dem vierten Semester saß Roxana allerdings wieder mehr im Sattel als im Hörsaal. Ehrlicherweise waren die Semestergebühren für die Katz und sie entschloss sich das Studium wieder abzubrechen.

Nach verschiedenen Jobs in einigen privaten Ställen, landete sie bei der Hengststation Galmbacher in Neunkirchen. Dort wurde ihr auch Don Cabalito, ein 10-jähriger Hengst von Don Schufro, anvertraut. Auch mit ihm ging sie in den Qualifikationsprüfungen zum Süddeutschen Berufsreiterchampionat an den Start. „Allerdings ist er ein typischer Hengst. Wenn es warm ist und viele Fliegen um ihn herumschwirren, hat er keine Lust und kämpft nicht mehr, “ sagt sie lachend. Für eine Platzierung hat es mit ihm daher nicht gereicht.

An der Qualität des dunkelbraunen Oldenburgers hat sie jedoch keine Zweifel. Erst im letzten Jahr hat die 31-jährige nämlich mit Don Cabalito ihre Meisterprüfung mit der Note 1,4 abgeschlossen. Grund genug für die Deutsche Reiterliche Vereinigung sie diesmal mit der Stensbeck Plakette in Silber auszuzeichnen.

Seit knapp zwei Jahren arbeitet sie nun auf dem Fröhnerhof in Mehlingen (Rheinland-Pfalz) und scheint angekommen zu sein. Sie arbeitet immer noch eng mit Don Cabalitos Züchter, Theo Binder, zusammen und hat seit November 2019 ein weiteres Spitzenpferd im Stall. Bonne Jument heißt die 10-jährige Westfalenstute, die es auch den Marbacher Richtern im Berufsreiterchampionat angetan hat. Nicht nur der Stute hat sie einiges zu verdanken, sondern ebenso der Besitzerin. Fast könnte man schon sagen Anette Göbelsmann-Schweitzer wäre eine Art Mäzenin. Roxana Mohr hat ihr vieles zu verdanken, unter anderem das Training bei Martin Schaudt. „Ohne Theo und Anette wäre ich nicht da, wo ich heute bin,“ ist sie überzeugt. Aber auch ihre Chefin, Eva Labes, unterstützt sie wo sie kann. Zum Beispiel wird sie für den Turniereinsatz von den Pflichten zu Hause freigestellt.

Für die Teilnahme am Süddeutschen Berufsreiterchampionat hat sie sich entschieden, weil sie für ihr Leben gern Berufsreiterin ist. „Wir sind den Pferden verpflichtet und dem Sport verbunden,“ beschreibt sie in wenigen Worten ihren Traumberuf. Der Sieg in der ersten Einlaufprüfung war schon fast eine kleine Sensation, es war nämlich der erste S-Sieg für Bonne Jument und der zweite für Roxana. Auf das Finale hat sie sich akribisch vorbereitet. Per Videoanalyse hat sie sich ein genaues Bild von den Pferden ihrer Konkurrenten gemacht. Als Telefonjoker hatte sie Hannes Müller, den Leiter der Deutschen Reitschule in Warendorf und
Heimtrainer Thomas Kessler im Ärmel, die ihr im Vorfeld noch viele Tipps gaben und ihr aus der Ferne beistanden. Aufgeregt war sie nämlich wie verrückt.
Völlig ohne Grund. Mit Renate Gohr-Bimmels Univers ist sie zwar nicht so gut zurecht gekommen, dafür kam sie aber mit Petra Rampes Cavalito umso besser klar. Für ihn und Berufskollegin Petra Rampe war sie daher voller Lob. „Petra Rampe ist eine grandiose Reiterin! Wenn man sich so schnell und so gut auf ein Pferd einstellen kann, dann zeugt das von einer unglaublich qualitätvollen Ausbildung,“ schwärmt sie noch Stunden später. Und wieder schüttelt sie fast ungläubig den Kopf. Zum ersten Mal dabei und gleich ganz oben auf dem Treppchen.

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Internetseite www.dressurfestival-marbach.de